Zur Botschaft des Bundesrates zur IAO-Konvention 189

Wichtige Anerkennung für Hunderttausende von Frauen

Sehr geehrte Damen und Herren

Mit Genugtuung haben wir heute die Botschaft des Bundesrates zur Ratifizierung der IAO-Konvention Nr. 189 über menschenwürdige Arbeit für Hausangestellte zur Kenntnis genommen. „Das ist eine wichtige Anerkennung für die Arbeit von Hunderttausenden von Frauen in Schweizer Privathaushalte“, meinte dazu Salvatore Pittà, Koordinator der Kampagne „Keine Hausarbeiterin ist illegal“: „Wir rufen nun das Parlament auf, das Abkommen rasch zu ratifizieren, damit die Rechte von Hausarbeiterinnen denjenigen aller anderen Arbeitnehmenden angeglichen werden können.“

Hausangestellte sind nicht dem Arbeitsgesetz unterstellt. „Dieser mangelnde Schutz hat Geschichte“, meint dazu die Historikerin Elisabeth Joris, Präsidentin des Vereins „Hausarbeit aufwerten – Sans-Papiers regularisieren“. „Bis 1910 wurden Hausangestellte nicht als Erwerbstätige registriert, obligationenrechtlich wurden sie erst nach dem 2. Weltkrieg anerkannt.“ Heute noch gelten für Hausangestellte weder Bestimmungen zu Höchstarbeitszeiten noch zur Nachtarbeit, weitere Bestimmungen können in Einzelarbeitsverträgen wegbedungen werden. Care-Migrantinnen sind zudem in Bezug auf Lohnfortzahlung bei Krankheit oder Unfall oft ungenügend oder gar nicht abgesichert. Ihr Arbeitsplatz erweist sich wegen der kurzen Kündigungsfristen von minimal 2 Tagen im Bereich der befristeten und temporären Arbeit als äusserst prekär. Im Todesfall der betreuten Person kann es vorkommen, dass die Care-Migrantin von einem Tag auf den anderen ohne Arbeit ist und bei Live-in-Arrangements buchstäblich «auf der Strasse» steht.

In Live-in-Verhältnissen (Arbeit in Hausgemeinschaft, Art. 328a OR ) ist Abgrenzung wegen der sozialen und räumlichen Nähe schwierig. Care-Migrantinnen stehen nicht selten während 24-Stunden auf Abruf bereit, oft ohne entsprechende Entschädigung. Besonders Hausarbeiterinnen aus Drittstaaten, die in der Schweiz gemäss Ausländergesetz kaum eine Arbeitsbewilligung erhalten, leiden darunter, dass spezifische Massnahmen zum Schutz vor Missbrauch, Belästigung und Gewalt fehlen: Bei einer Klage müssen sie ihre Identität offenlegen und riskieren die Ausschaffung, noch bevor sie aussagen.

Der Verein „Hausarbeit aufwerten – Sans-Papiers regularisieren“ und dessen 30 Mitglieder (Hilfswerke, Gewerkschaften, Sans-Papiers-Anlaufstellen, kirchliche, feministische und MigrantInnen-Organi-sationen) werden sich daher dafür einsetzen, dass das IAO-Abkommen 189 entgegen der Botschaft des Bundesrates auch zur Änderung bestehender gesetzlicher Bestimmungen führt, die der Gleichstellung der Arbeit von Hausarbeiterinnen entgegen wirken.

Für weitere Informationen stehen Ihnen gerne zur Verfügung:

Salvatore Pittà, Kampagnen-Koordinator: 079 260 89 22

Elisabeth Joris, Präsidentin: 079 798 28 09.

Hier gehts zur Botschaft des Bundesrates. Hier kann die Medienmitteilung als pdf heruntergeladen werden.

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